Rabenvögel

Krähen und Raben gehören der Gattung Corvus an. Sie bilden die Unterfamilie der Rabenvögel (Corvidae).

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Zur Kategorie der Rabenvögel gehören neben den Raben und Krähen auch Vögel wie z. B. die Elstern, Eichelhäher und Dohlen.

Die Gattung Corvus umfasst 42 bekannte Arten. Hiervon sind der Kolkrabe, die Aaskrähe (Raben- und Nebelkrähe), die Saatkrähe und die Dohle in Europa beheimatet. Insgesamt findet man die Rabenvögel überall auf der Welt – abgesehen von der Antarktis.

Die bei uns beheimateten Vertreter der Rabenvögel sind mitunter schwer zu unterscheiden. Am einfachsten gelingt dies bei den Schnäbeln und dem Gefieder.

 Weiße Raben

Bei den weißen Raben handelt es sich um eine Albinoform des Raben. In Freiheit überleben diese Tiere nur sehr selten, da sie sich dem Rabenverband nicht anschließen können.

Die umgangssprachliche Bedeutung des weißen Rabens bezieht sich auf einen Menschen, der sich unabhängig von der Meinung der anderen Menschen zeigt und sich dadurch abhebt, eine Ausnahme oder Seltenheit darstellt. Der Ausdruck (corbus albus) stammt aus dem Lateinischen und geht zurück auf die Satiren des Römers Juvenal (gestorben 127 n. Chr.). In diesen Satiren beklagt sich der Schriftsteller über das geringe Ansehen, das die „geistigen“ Berufe genießen und nur wenige wirklich angesehen sind in der Gesellschaft. Er kommt zu dem Ergebnis, dass „jedoch ein solcher Glückspilz seltener als ein weißer Rabe sei“. Im Mittelalter tritt ein weiterer Ausdruck auf, der dasselbe bedeutet: der schwarze Schwan, redensartlich wird dies aber nur im englischen gebraucht (a black swan).

Etymologie

Die Bezeichnung Krähe ist im indogermanischen ein lautmalerischer Name, der die typischen Lautäußerungen der Krähe nachahmt: althochdeutsch krâwa, mittelhochdeutsch krâ, kraeje, kreie oder krowe, altslawisch krâja, englisch crow.

Der Rabe – althochdeutsch hraban, mittelhochdeutsch rabe – wird im niederländischen als raaf, im englischen als raven und im altisländischen als hrafn bezeichnet. Das Wort stammt aus der sprachlichen Wurzle ker (scharrend oder kratzend), auch die Wörter Harke und krächzen stammen aus diesem Wortstamm.

Dass die Raben und Krähen die größte Intelligenz unter den Vögeln haben, wurde bereits mehrfach wissenschaftlich bewiesen. In den unterschiedlichsten Versuchsreihen zeigten diese Vögel, dass sie dazu fähig sind komplexe Handlungen bereits im Vorhinein zu planen ebenso wie die Fähigkeit sich etliche Dinge zu merken sowie aus Erfahrungen zu lernen und an andere Raben/Krähen dieses Wissen weiterzugeben und sie können sich Gesichter der Menschen merken und wieder erkennen. Raben und Krähen sieht man oft in Begleitung von anderen Raubtieren wie z.B. Wölfen oder Raubvögeln, die sie beim Jagen begleiten um sich entweder am Fangen der Beute zu beteiligen oder diese dem Jäger zu stehlen. In Neukaledonien ist bisher die einzige Krähenart bekannt, die Werkzeug selbst herstellt und benutzt, um sich z.B. Raupen aus Astlöchern zu holen – nur drei Spezies benutzen Werkzeug: Elefanten, Schimpansen und die Geradschnabelkrähe in Neukaledonien.

Rabenvögel leben im Familienverband – ähnlich wie die Menschen, haben sie ein Umfeld aus Familie, Freunden und Bekannten, was bisher einzigartig im Tierreich ist. So treffen sich z.B. die jungen Vögel mit Freunden zum Spielen. Jungvögel bleiben bis zu 5 Jahre bei den Elterntieren und helfen bei der Aufzucht der nächsten Nachkommen. Raben und Krähen paaren sich fürs Leben und können bis zu 20 Jahre alt werden. Jeder Rabenvogel hat zwei unterschiedliche Sprachen, eine laute für die Kommunikation mit anderen sowie eine leisere für die Kommunikation innerhalb der Familie. So gibt es z.B. verschiedene Warnlaute für Katzen, Greifvögel und auch für Menschen. Erfahrungen werden innerhalb der Familie und auch innerhalb des gesamten Umfeldes weitergegeben.

Überlebensstrategien der Rabenvögel

  • Elstern bauen immer mehr als ein Nest, brüten aber nur in einem davon.
  • Hauptsächlich die Saatkrähen kommen während der Winterzeit aus ihren Brutgebieten im Nordosten zu uns, um zu überwintern. Die Schwärme, die wir im Winter sehen, sind also nicht die Vögel, die bei uns brüten. Außerdem legen viele Rabenvögel vom Frühjahr bis zum Herbst Massenschlafplätze an: Gemeinsames Schlafen ist sicherer, die Vögel finden Partner und nachdem sie miteinander kommunizieren erfahren sie von den anderen Vögeln wo z.B. gute Nahrungsplätze sind.
  • Rabenvögel, die kein eigenes Brutgebiet haben, schließen sich zu Trupps zusammen. Sollte ein Brutrevier leer werden (z.B. durch den Tod eines Raben), wird dieses Revier sofort aus diesem Trupp neu besetzt.

 

Mythologie

Deutsche Mythologie:

Weltweit sind die Raben und Krähen in Märchen und Sagen verbreitet. Die Weisheit und die Flugfähigkeit der Raben werden von den Göttern und Königen in den Sagen verwendet. In etlichen Märchen wird vom Raben röiven (altdeutsch) erzählt, der verirrten Wanderern den Weg zeigt.

Die Gebrüder Grimm erzählen in dem Märchen „Die sieben Raben“ von einem Vater, der nach sieben Söhnen endlich die erwünschte Tochter bekommt. Als er die sieben Jungen zum Wasserholen für die Taufe der Tochter schickt, streiten diese und der Krug fällt in den Brunnen. Die Söhne trauen sich nicht nach Hause und der Vater, der sich langsam Sorgen macht, dass seine Söhne so lange verschwunden sind, ärgert sich darüber und sagt: „Ich wollte, dass die Jungen alle zu Raben würden“, womit der Wunsch umgehend erfüllt wird. Das Mädchen erfährt irgendwann, dass sie sieben Brüder hat und macht sich auf den Weg diese zu suchen. Am Ende werden die Raben ebenfalls durch einen Wunsch erlöst und kehren mit ihrer Schwester nach Hause zurück.

In einem weiteren Märchen der Gebrüder Grimm, „Die Rabe“, wird von einer Königstochter berichtet, die von ihrer Mutter ebenfalls im Ärger in einen Raben verwandelt wird.

Alles in Allem haftet den Raben ein sehr negativer Aspekt an. So wird oft von einem „raben-schwarzen Tag“ gesprochen, wenn an diesem Tag etliches falsch gelaufen ist. Wahrscheinlich kommt dieser Ausspruch von der biblischen Erzählung, in der Noah die Raben verflucht, weil sie extrem unzuverlässig seien, sie sündhaft seien und deshalb zur Strafe ein schwarzes Gefieder tragen müssten, dazu aber später mehr.

Weitere negativ behaftete Bespiele in Zusammenhang mit den Raben ist z.B. das Kinderlied „Hoppe, hoppe Reiter … fällt er in den Grabe, fressen ihn die Raben“ oder die Bezeichnung „Unglücksrabe“.

Volks- und Aberglaube:

Im Volks- und Aberglauben sind die Raben und Krähen ebenso weit verbreitet.

In den Sagen Norddeutschlands wird häufig von Hanns von Hackelberg (auch Heckelnberg) erzählt. Er führte eine Wilde Jagd entlang des Flusses Oker an, der ein Nachtrabe vorausfliegt. Der Name Hackelnberg soll angeblich auf „Hakul-Berend“ (Mantelträger) ableiten und somit ein Hinweis auf Odin sein.

Einem alten Volksglauben nach sollen Raben sich wenig um ihren Nachwuchs kümmern und diesen sogar aus dem Nest stoßen, wenn sie die Jungvögel nicht mehr füttern wollen. Daher die Bezeichnungen „Rabenmutter“ und „Rabeneltern“. Auch sind im Aberglauben die Raben mit Unheil, Tod und schlechten Nachrichten verbunden. Außerdem soll im Raben die Seele eines Menschen leben, der heimlich irgendwo begraben wurde und deshalb würde die Seele keine Ruhe finden.

In einer Höhle im Kyffhäuserberg in Thüringen schläft Kaiser Barbarossa (1122 – 1190). Er schläft 100 Jahre, dann wacht er auf und sieht nach, ob immer noch die Raben um den Kyffhäuserberg kreisen. Sind die Raben noch da, schläft er weitere 100 Jahre. Für ihn ist das Vorhandensein der Raben ein Zeichen, dass es Deutschland gut geht und Kaiser Barbarossa nicht in den Krieg ziehen muss, um sein Reich zu retten.

Es wird auch berichtet, dass früher römische Beamte, so genannte Auguren, das Rabenorakel befragten, um zu erfahren, was die Götter von ihnen erwarteten. Dazu wurde ein bestimmter Bereich ausgewählt und je nachdem von welcher Seite ein Rabe diesen Bereich durchflog, war laut den Auguren mit einer positiven oder negativen Zukunft zu rechnen. Flog der Rabe von der linken Seite durch das Areal, wurde dies als negativ, flog der Vogel von rechts, als positiv gedeutet. Besonders gut wurde es gesehen, wenn ein Paar Raben von rechts angeflogen kam. Ebenso ließen sich römische Heerführer und auch Könige von den Raben voraussagen, ob sie mit ihren Aktionen erfolgreich waren oder nicht. Bereits Aristoteles erwähnt, dass diese Vögel sehr intelligent sind und geplant agieren.

Nordische Mythologie:

Die wohl bekanntesten Raben in der Mythologie sind die beiden Raben Odins: Hugin (der Gedanke) und Munin (die Erinnerung). Sie symbolisieren die Weisheit und saßen auf Odins Schultern um ihm zu berichten, was auf der Welt vor sich ging. Odin trug auch den Beinamen Hrafnáss (Rabengott). So konnte Odin auch selbst die Gestalt eines Raben annehmen und wird somit auch als Botschafter aus dem Reich des Geistes gesehen.

Die erste schriftliche Erwähnung der Verbindung von Odin mit den Raben ist aus dem 10. Jahrhundert bekannt im Kenningar (altnordische Reime, die einfache Begriffe poetisch umschreiben).

Die beiden Raben Hugin und Munin sind im Logo der nordnorwegischen Universität Tromsø abgebildet, auf dem Campus sind ebenfalls zwei Straßen nach den Raben benannt.

Bei den Germanen wurden die Raben als Vögel der Götter verehrt. Im Falle eines Krieges wurden die Flüge und das gesamte Verhalten der Vögel beobachtet und daraus Rückschlüsse für den Ausgang des Krieges gezogen. Ebenso galten die Raben als Vorboten von Unheil oder Segen in der Landwirtschaft.

Griechische Mythologie:

In der griechischen Mythologie hatten die Raben ein weißes Gefieder.

Für Apollon, dem Gott der sittlichen Reinheit und des Lichts, waren die Raben heilig. So wird berichtet, dass Apollon den Raben zur Quelle ausschickte, um ihm mit einem goldenen Becher Wasser zu holen, das Apollon dem Gott Zeus opfern wollte. Der Rabe sollte dies auf kürzestem Weg tun und sich beeilen. Auf dem Weg zur Quelle stand ein Baum mit Feigen, die noch nicht reif waren. Der Rabe wartete, bis die Feigen reif waren, um diese zu essen. Da der Rabe jetzt aber so viel Zeit verloren hatte und er sich nicht Apollons Zorn zuziehen wollte, nahm er von dort eine Wasserschlange mit, um diese als Ausrede für die verlorene Zeit zu gebrauchen. Der Gott Apollon war jedoch über die Lüge des Raben so erbost, dass er den Raben bestrafte, diesen schwarz färbte und ihn mit der Schlange und den goldenen Becher an den Himmel verbannte.

In einer weiteren Geschichte von Apollon wird erzählt, dass dieser die Nymphe Koronis umwarb und ihr einen weißen Raben als Beschützer schickte. Koronis ging aber eine Beziehung mit dem König Ischys ein, obwohl sie von Apollon schwanger war. Der Rabe erzählte dies Apollon, der daraufhin in seinem Zorn die Nymphe erschlug, aber dem ungeborenen Kind das Leben rettete, indem er dieses aus Koronis Bauch schnitt. Aus Wut über die schlechten Nachrichten, wurde der Rabe ebenfalls bestraft: Er verlor sein weißes Gefieder, wurde schwarz und an den Himmel verbannt.

Doch auch die Krähen wurden in der griechischen Mythologie bestraft. In Ovids Metamorphosen (mythologisches Werk über Verwandlungen) berichtet der römische Dichter über die Verwandlung der Nymphe Koronis in eine Krähe. Die Nymphe wurde vom Gott Poseidon bedrängt und bat die Göttin Athene ihr zu helfen. Athene verwandelte die Nymphe in eine Krähe und somit konnte sie Poseidon entkommen. Krähen waren die Lieblingsvögel der Göttin Athene. In der Folgezeit fiel die Nymphe jedoch bei der Göttin in Ungnade, da sie ein Geheimnis von Athene verriet. Die Krähe wurde für ihre Geschwätzigkeit bestraft und ab sofort war der Steinkauz der Lieblingsvogel der Göttin Athene.

Christliche Mythologie:

Laut der Bibel wird der Prophet Elija währen einer Zeit des Hungers, als er sich vor dem König Ahab versteckte, von Raben mit Essen versorgt.

In der Geschichte von der Sintflut (Genesis 7 und 8) lässt Noah am 11. Tag des 11. Monats der Flut einen Raben aus dem Fenster der Arche fliegen. Der Rabe „flog aus und ein, bis das Wasser vertrocknet war“.

Im ältesten bekannten zusammenhängend schriftlich überlieferten Epos aus dem 19. Jahrhundert vor Christus, dem Atrahasis-Epos, findet sich ebenfalls das Aussenden von Vögeln am Ende der Flut – ebenso im Gilgamesch-Epos. In dieser Sintflut-Geschichte der Babylonier lässt Atrahasis nach Ende der Regenflut drei Vögel fliegen, einer davon ein Rabe. Als der Rabe nicht zurückkehrt weiß Atrahasis, dass wieder irgendwo Land ist.

In der babylonischen sowie in der jüdisch-christlichen Version ist die Erde nach der Sintflut „gefallen“, weshalb der Rabe auch zum Unglücksvogel degradiert wurde.

In Europa gilt der Rabe nach der Christianisierung wegen seiner mystischen Bedeutung bei den heidnischen Glaubensvorgängern als ein böses Tier. Nachdem im Mittelalter viele Leichen der Erhängten „bösen“ Menschen nicht beerdigt wurden und u.a. Raben sich an dem reichlich gedeckten „Tisch“ bedienten, wurde der Rabe auch zum Galgenvogel. So gilt im Gegensatz dazu das Fleisch des Rabens als Nahrungstabu, welches in der Bibel aufgelistet ist. Bei den Christen ist der Rabe ein Vogel der Unterwelt und des Todes, er zählt zum Gefolge des Teufels, Raben sind Seelen verstorbener sündiger Menschen und Hexen sollen sich in Raben verwandeln können.

Die Krähe ist in der Sagenwelt der Christen im Gegensatz dazu der Bote des Heiligen Oswald. Oswald, geboren um 604, gestorben 642, war von 634 bis 642 König von Northumbria in England (Ostküste). Er starb im Kampf gegen die heidnischen Angelsachsen und wird deshalb als Heiliger verehrt. Dargestellt wird er u.a. mit einem Raben.

Nordamerikanische Mythologie:

Im Gegensatz zur christlichen Mythologie hat der Rabe bei den nordamerikanischen Indianerstämmen eine durchweg positive Rolle. Die wichtigste Kreatur auf Erden ist für die Stämme an der nordamerikanischen Küste des Pazifiks der Rabe. Er ist der große Hüter und Beschützer ihrer Kultur, erschuf die Erde, kann alles durch seinen Willen lenken, brachte Sonne, Mond und die Sterne an den Himmel, füllte die Gewässer und das Land mit Tieren, war Übermensch und erschien in den unterschiedlichsten Gestalten.

Der Rabe bevölkerte die Erde mit den Menschen und gab diesen das Feuer. Kein anderes Tier wird so vielfältig und häufig künstlerisch dargestellt wie der Rabe.

Besonders das Motiv des Raben, der die Sonne im Schnabel trägt (siehe Bild links) und diese zum Himmelszelt bringt ist weit verbreitet.

Für viele Stämme ist der Rabe eines der wichtigsten heiligen Totemtiere. Er steht als Symbol für Schöpfertum und göttliche Kraft und stellt das ausgleichende Prinzip der Natur dar. In den Totems ist er das Symbol für Prestige und Ansehen des jeweiligen Stammes.

Schamanismus:

Im Schamanismus gilt der Rabe als ein Hilfsgeist sowie auch als magisches Flugtier des Schamanen – als einziger Vogel der ins Jenseits und wieder zurück fliegen kann. Als Schlüsselbegriffe werden Magie, Gestaltwandlung und Schöpfung genannt und er wird der Wintersonnen-wende zugeordnet.

Im Krafttier Rabe verschmelzen die menschlichen und tierischen Geister, symbolisiert durch die tiefschwarze Farbe seines Gefieders, worin alles verschmilzt bis es ans Licht gezogen oder gebracht wird. Aus diesem Grund kann der Rabe helfen das eigene Leben und Wesen zu verwandeln. Der Rabe besitzt das Wissen, wie man mit anderen Tieren sprechen kann oder sich sogar in sie verwandeln kann.

Als Krafttier gilt er als Beschützer geheimer Dinge, als Helfer Verborgenes aus den eigenen Tiefen hervorzuholen, als Träger und Hüter der Magie.

Alchemie

Raben und Krähen sind in der Alchemie Symbole für das Nigredo, das den schwarzen Tod, Verwesung, Verzweiflung und Leiden symbolisiert.

Nycticorax ist der Rabe der Nacht und eine der vielen Manifestationen des Hermes-Mercurius, die Wandlungssubstanz des alchemistischen Prozesses, aber auch mit dem Saturn verbunden (bleiern) als der Melancholie auslösende Planet. In sich hat Nycticorax bereits das Ziel der Wandlung in Form einer weißen Taube, somit enthält er also das Dunkle und das Licht, Böse und Gut, Tod und Leben.

Als Synonym der „Sol niger“ – der Schwarzen Sonne – gilt der Rabe als Vorzeichen für Tod und Depression.

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 Raben in Kunst und Literatur:

Wilhelm Busch: Der Rabe Hans Huckebein

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In der Geschichte um den Unglücksraben Hans Huckebein, erscheint der Rabe als durchaus liebenswerter Vogel, den jedoch seine Neugier und sein verspieltes Wesen umbringt. So nascht der Rabe erst von Tante Lottes Likör und verheddert sich dann in deren Strickzeug so stark, dass er sich schließlich selbst erhängt.

 

 

Er zerrt voll roher Lust und Tücke
Der Tante künstliches Gestricke.
Der Tisch ist glatt – der Böse taumelt –
Das Ende naht – sieh da! er baumelt.
„Die Bosheit war sein Hauptpläsier,
Drum“ – spricht die Tante – „hängt er hier!“

 

Otfried Preußler: Krabat

Auf einer serbischen Volkssage basiert das bekannte Jugendbuch „Krabat“ von Otfried Preußler.

In der Geschichte wird der Junge Krabat Lehrling eines Zauberers und muss sich schließlich gegen diesen behaupten.

Joachim Ringelnatz: Der Rabe als Herbergsvater

In seinem Gedicht von 1912 betrachtet Joachim Ringelnatz den Raben von der humorvollen Seite.

Im dunklen Erdteil Afrika
Starb eine Ziehharmonika.
Sie wurde mit Musik begraben.
Am Grabe saßen zwanzig Raben.
Der Rabe Num’ro einundzwanzig
Fuhr mit dem Segelschiff nach Danzig
Und gründete dort etwas später
Ein Heim für kinderlose Väter.
Und die Moral von der Geschicht? –
Die weiß ich leider selber nicht.

 Edgar Allan Poe: Der Rabe Nevermore

Den amerikanischen Schriftsteller inspirierte vor allem die Mystik um den Raben zu seinem Gedicht „The Raven“, das 1845 erschien.

Das Gedicht erzählt von einem Mann, der seine Geliebte verlor und deshalb sehr verzweifelt ist. Der Mann kann nachts nicht schlafen und liest okkulte Bücher. Während einer dieser Nächte besucht ihn ein Rabe mit Namen „Nevermore“ (Nimmermehr). Nimmermehr ist das einzige Wort, das der Rabe sagt. So wird der Mann „nimmermehr“ seine Geliebte wieder sehen. Der immer wütender werdende Mann versucht den Raben zu verscheuchen, doch dies gelingt nicht, der Rabe hält die Seele des Mannes gefangen, diese kann „nimmermehr“ entkommen.

Die britische Gruppe „The Alan Parsons Project“ vertonte einige Kurzgeschichten von Adgar Allan Poe, darunter auch das Gedicht „The Raven“.

Rossini: Die diebische Elster

Tief aus der Klischee-Kiste und der Vorurteile greift der Komponist Gioachino Rossini 1817 in seiner Oper „Die diebische Elster“ – La gazza ladra.

In der Oper wird ein Bauernmädchen beschuldigt Silberbesteck gestohlen zu haben und daraufhin zum Tode verurteilt. Schließlich stellt sich heraus, dass eine Elster das Besteckt gestohlen hat.

Van Gogh: Weizenfeld mit Raben

In der Malerei ist das Motiv des Rabens weit verbreitet. So hat der Maler Van Gogh kurz vor seinem Tod das Bild „Weizenfeld mit Raben“ im Juli 1890 gemalt.

Am 27. Juli schoss sich der Maler auf einem Spaziergang selbst in die Brust und starb zwei Tage später. Es wird spekuliert, dass Van Gogh bereits eine Vorahnung hatte, als er das Bild malte.

Alfred Hitchcock: Die Vögel

Das als Urform des Horrorfilms gefeierte Werk „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock, verstärkte noch den schlechten Ruf des Rabens.

In dem Film greifen zuerst Möwen und dann Raben die Einwohner einer kleinen Stadt an – warum wird nie erzählt.

Der Zauberrabe Rumburak

Dieser Kinderfilm ist eine der bekannten Co-Produktionen zwischen dem Westdeutschen Rundfunk und dem tschechoslowakischen Fernsehen und erzählt die Geschichte eines Zauberers, der sich während des Tages in einen Raben verwandelt und der schönen Eiskunstläuferin Helene hilft.

Game of Thrones: Die Raben

Im Bezirk Westeros sind die Raben ungewöhnlich intelligent und werden zu Briefvögeln ausgebildet. Sie fliegen über große Distanzen sehr schnell und bringen Nachrichten von Schlössern und Städten der Sieben Königslande.

Auch in dieser Serie werden die Raben mit unheilvollen Zeiten verbunden, was zu dem Sprichwort „Dunkle Schwingen, dunkle Worte“ in der Serie geführt hat.

Außerdem gibt es noch eine klügere und seltenere Version der Raben: die weißen Raben. Diese werden gesandt, wenn sich die Jahreszeit ändert.

Eine dreiäugige Krähe tritt in einer Vision von Bran Stark auf. Sie führt ihn zur Familiengruft der Familie Stark.

 Sonstiges:

Analytische Psychologie:

Krähen und Raben haben in der Traumdeutung unterschiedliche Bedeutungen. Sie haben als Wesen der Luft Zugang zu anderen Sphären, können als Bote aus der anderen Welt, dem Unbewussten, interpretiert werden und stehen auch als Symbol für das Nahen einer Depression. Ihre Klugheit spielt dahingehend eine Rolle, dass sie als Führer der Seele auftreten und dem Träumenden helfen können.

Sternbild Corvus:

Das Sternbild Corvus – Der Rabe – ist ein auffallendes Viereck nördlich dem Sternbild der Wasserschlange. Die vier hellsten der fünf Sterne bilden dieses auffällige Viereck. Die beste Zeit für die Beobachtungen in unserer Hemisphäre sind die Monate März bis Mai.

Das Sternbild Corvus gehört zu den 48 Sternbildern aus der antiken Astronomie und wurde bereits von Claudius Ptolemäus (ca. 100 bis 160 n. Chr.) erwähnt.

Die Namen der Sterne stammen aus dem arabischen:

Kraz und Alchibah = Zelt

Minkar = Schnabel

Algorab = Rabe

Gienah = der rechte Flügel des Raben oder Schwinge

Nei den Griechen wurde das Sternbild mit dem Sternbild des Bechers und der Wasserschlange (Hydra) in Verbindung gebracht.

Unter der Bezeichnung UGA oder Kakkab Aribu war das Sternbild des Raben bei den Sumern und Babyloniern bekannt und wurde dem Sturmgott Adad (siehe Bild links: Stele des Strumgottes Adad) zugeordnet.

 

Quellen: Wikipedia.de, Symbolonline.de, Rabental.de (Film: rabekraxi.at empfehlenswerter Kurzfilm)
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